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Montag, 9. September 2019, 08:47

Der kommende Fürst :Kp 7

Der kommende Fürst: Kapitel 7
Messias, der Fürst IngewissenKreisenwirdjenenMenschen,diealsfrommgelten,mitArgwohnbegegnet. IneinerähnlichenWeisescheinenalleSchriften,dieeinegöttlicheAutoritätfürsich inAnspruchnehmen,unweigerlicheingewissesgenerellesMisstrauenzubegründen. MantrittalsomiteinergewissenVoreingenommenheitansieheran.Würdemanaber denSchreibernderEvangeliendieselbeOffenheitwiedenprofanenHistorikernentgegenbringen,würdemanihreAussagennachdenselbenPrinzipientesten,nachdenen BerichteausderVergangenheitandenUniversitätengetestetundnachdenenBeweismittelanunserenGerichtshöfengewürdigtwerden,könntekeinvernünftigerZweifel daran bestehen, dass unser Heiland in Bethlehem geboren wurde, als Quirinius der StatthaltervonSyrienundHerodesderKöniginJerusalemwar.DieErzählunginden ersten beiden Kapiteln des Lukas-Evangeliums ist nicht eine gewöhnliche Geschichte ohnejedenAnspruchaufExaktheit.EshandeltsichvielmehrumeineTatsachenschilderung,dievoneinemSchreiberverfasstwurde,dervonsichsagt,dasser«allemvon Anfangangenaugefolgt»(Lk1,3)sei.Zudemmussmanbedenken,dassLukaseinimmensespersönlichesInteresseandiesenTatsachenhatte,denneineinzigerFehlerhätte nichtnurdenWertseinesBuches,sondernauchdenErfolgjenerSachegefährdet,derer seinLebengewidmethatteundandieerseineHoffnungenaufewigesGlückgeknüpft hatte. ManhatdieSachesobehandelt,alswärederVerweisaufQuiriniusnureinezufälligeAnspielung,beidereskeineRollespielenwürde,obsicheinFehlereingeschlichen habe.TatsächlichgehtesdabeiaberumeinenUmstandvonhöchsterBedeutung.Die JudenhabenversichertunddieChristenhabeneingeräumt,dassderwahreMessiasin Bethlehemgeborenwerdenmusste.VondenJudenwurdeundwirdallerdingskonstant bestritten, dass der Nazoräer in Bethlehem geboren wurde. Wenn sie diese Tatsache heutetatsächlichwiderlegenkönnten,hättensieeineRechtfertigungfürihrenUnglauben.DennwennderChristus,denwiranbeten,nichtderrechtmässigeErbevonDavids Throngewesenist,isternichtderprophezeiteChristus.DieChristenhabendasrasch vergessen,alssieihrenGlaubennichtmehrlängergegendieungebrocheneFrontdes Judaismusverteidigen,sondernnurnocheinerheidnischenWeltempfehlenmussten.
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DiedirektenNachfolgerderApostelhattendasabernichtvergessen.IneinemSchreibenandieJudenhatderMärtyrerJustindeshalbmitNachdruckbetont,dassChristus währendderSteuererhebungdurchQuiriniusgeborenwurde,wobeieraufdieZähllistenverwiesenhat,diedamalsnochexistierthabenundverfügbargewesensind,umzu beweisen,dassJosephundMariazwarinNazarethlebten,abernachBethlehemzogen, um dort zu erfasst werden, wodurch es sich fügte, dass das Kind in der königlichen StadtundnichtimverachtetengaliläischenDorfgeborenwurde1. Vielehabensichgeweigert,anzuerkennen,dassderCharakterunddieMissiondes Nazoräersgöttlichgewesensind.ObwohlSeineZeitzeugennichtleugnenkonnten,dass SeineTatenübermenschlichwaren,triebenBlindheitundHassvieledazu,dieseTaten einersatanischenKraftzuzuschreiben.AufderartvoreingenommeneMenschenkonntenselbstjeneerhabenenÄusserungendesNazoräerskeineAnziehungskraftausüben, dieinjedemnachfolgendenZeitalterbeiMillionenvonMenschenundsogarbeisolchenMenscheneineBewunderunghervorgerufenhaben,diesichgeweigerthaben,mit Überzeugungdaranzuglauben.AberbeimStammbaumundbeimGeburtsortdesNazoräershandeltessichnichtumüberirdische,sondernumirdischeTatsachen,überdie Menschenunabhängigdavondiskutierenkönnen,obsieandieExistenzüberirdischer BeweisefürdengöttlichenCharakterunddiegöttlicheMissiondesNazoräersglauben. DieAussagenüberdieSteuererhebung,dieSeineMutternachBethlehemgeführthat, beziehen sich auf gewöhnliche Tatsachen, deren Anerkennung keine bestimmte moralischeHaltungerfordert.Ganzobjektivbetrachtetistesäusserstunwahrscheinlich, dasssicheinSchreiberwieLukasübereinesolcheTatsacheimIrrtumbefindenkonnte. Völligausgeschlossenistesaber,dasseinsolcherFehlerunwidersprochengeblieben wäre.RundhundertJahrenachderVerfassungdesLukas-Evangeliumshatdennauch der Märtyrer Justin genau diesen Umstand als eine zweifellos feststehende Tatsache angeführt. Folglich kann es als die gesichertste der wirklich gesicherten geschichtlichenEreignissebetrachtetwerden,dassdieersteSteuererhebungdurchQuiriniusvor demTodvonHerodesundzugleichmitderGeburtChristiinBethlehemdurchgeführt wurde. NochvorwenigenJahrenhättemandieseAussagemiteinemungläubigenLächeln oder mit Empörung entgegen genommen. Die Erwähnung von Quirinius durch den Evangelisten Lukas erschien als ein hoffnungsloser Anachronismus, denn gemäss der unangezweifelten Geschichtsschreibung fielen die Periode seiner Regierung und das Datum seiner «Steuererhebung» in eine Zeit neun oder zehn Jahre nach der Geburt Christi. Strauss und andere aus seiner Sippe haben sich mit Häme darüber lustig gemacht;unzähligeSchreiberhabendieAussageimLukasevangeliumalseinRätseloder alseinenFehlerbezeichnet,aberDr.ZumptausBerlinhatindenletztenJahreneine 1BethlehemistderOrt,woJesusChristusgeborenwurde,«wieihrauchausdenZensuslistenersehen könnt,dieunterQuirinius,euremerstenLandpflegerinJudäa,angefertigtwordensind»(Justinder Märtyrer, Erste Apologie, § 34). «Da nach unserer Behauptung erst vor 150 Jahren Christus unter Quiriniusgeborenwordenist,…»(JustinderMärtyrer,ErsteApologie,§46).«Ergingvielmehr(mit ihr),alsdamalsinJudäadieersteZensuslisteunterQuiriniusaufgestelltwordenwar,vonNazareth,wo ergewohnthatte,hinaufnachBethlehem,wohererstammte,umsichdaselbstaufzeichnenzulassen» (JustinderMärtyrer,DialogmitdemJudenTrypho,§78).

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Montag, 9. September 2019, 08:49

ErklärungundeineBestätigungfürderenZuverlässigkeitgefunden. AufgrundeinesseltsamenZufallsgibteseinenBruchinderGeschichtejenersieben oderachtJahre,diedemJahr4v.Chr.folgten2.DieListederGouverneurevonSyrien hilftunsnichtweiter.FürdieseZeitverschwindetauchQuiriniusausderGeschichte. DurchverschiedeneNachforschungenundArgumente,diealleunabhängigvonderHeiligenSchriftsind,hatDr.Zumptallerdingsnachweisenkönnen,dassQuiriniuszweimal GouverneurderProvinzgewesenistunddassseineersteRegierungszeitinderzweiten HälftedesJahres4v.Chr.begonnenhat,nämlichalsNachfolgervonQuinctiliusVarus. DieEinhelligkeit,mitderdieseSchlussfolgerungakzeptiertwordenist,machtesunnötig,dieSachehiernochweiterzudiskutieren.EineBemerkungdazudürfteabernicht unpassendsein.DieGrundlagenfürdieSchlussfolgerungenvonDr.ZumptkönnentreffendalseineKettevonIndizienbeweisenbezeichnetwerden,undseineKritikersindsich einig,dassseinErgebniswahrscheinlichzutreffendist3.FürdievölligeSicherheitfehlt nurnocheinZeugniseinesHistorikersmiteinemgutenRuf.Wennmanbeispielsweise dieverlorenenFragmentederGeschichtevonCassiusDioansLichtbringenkönnteund wenndieseQuiriniusalsGouverneurderProvinzindenletztenMonatenvonHerodes’ Herrschaft erwähnen würden, würde man diese Tatsache als ebenso gesichert erachtenwiedieHerrschaftvonAugustusüberRom.EinemchristlichenAutormagmanes nachsehen,wennerdemZeugnisvonLukaseinsolchesGewichtbeimisstundfolglich annimmt,esseiabsolutgesichert,dassdieGeburtChristinichtfrüheralsimHerbstdes Jahres4v.Chr.stattgefundenhat. DerbedeutendeenglischeChronologeHenryClintonfasstseineSichtweisezudieser Angelegenheitwiefolgtzusammen:«DieGeburtfandnichtmehrals18Monateund nichtwenigeralsfünfodersechsMonatevordemToddesHerodesstatt,derentweder imFrühjahrdesJahres4v.Chr.oderimFrühjahrdesJahres3v.Chr.eingetretenist.Der frühestmöglicheZeitpunktderGeburtistfolglichaufdenHerbstdesJahres6v.Chr., 18MonatevordemfrühestenZeitpunktdesTodesvonHerodesimJahr4v.Chr.,festzusetzen.DerspätestmöglicheZeitpunktistderHerbstimJahr4v.Chr.,etwasechsMonate vordemspätestenZeitpunktdesTodesvonHerodes,wennmanannimmt,dassdieser imFrühjahr3v.Chr.eingetretenist»(HenryClinton,FastiRomani,1845,S.12).Wir könnenkeinenbedeutenderenodervertrauenswürdigerenZeugenalsHenryClintonins Feldführen,weshalbseinUrteilhinreichendgarantiert,dassdieobigeSchlussfolgerung inÜbereinstimmungmitallemsteht,wasdieLehrezudiesemPunktbeitragenkann. Diesbezüglichistauchzubeachten,dassHenryClintondieGrenzendesZeitraums,in dem die Geburt Christi stattgefunden haben muss, wohl enger gezogen hätte, wenn ersichvonseinenpersönlichenAnsichtenhätteleitenlassen,unddassesnurseinem SinnfürWissenschaftlichkeitundFairnesszuzuschreibenist,dassseinerpersönlichen Ansicht keinen Vorrang eingeräumt hat. Zudem hat Henry Clinton seine Ausführun2DieErzählungvonJosephusweisthiereineLückeauf.AufgrunddesVerlusteseinesTeilsderAufzeichnungenvonCassiusDio,derzweitenhistorischenAutoritätfürjeneZeit,bestehtkeineMöglichkeit, dieLückezufüllen. 3DieArbeitenvonDr.ZumptindieserSachewurdenzuerstineinerlateinischenAbhandlungveröffentlicht,dieimJahr1854erschien.NunhatersieauchinseinemBuch«DasGeburtsjahrChristi»(Leipzig, 1869)veröffentlicht.
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genverfasst,bevorDr.ZumptseineEntdeckungenbezüglichderSteuererhebungdurch Quiriniusniedergeschriebenhat.DieEinführungdiesesneuenElementesindieÜberlegungenzudieserFrageerlaubtesunsnunabermitabsoluterSicherheit,denTodvon HerodesaufdenMonatAdardesJahres3v.Chr.unddieGeburtChristiaufdenHerbst desJahres4v.Chr.zudatieren. DieTatsache,dassbezüglichdesZeitpunkteseinesEreignissesvonsogrossemtrans”zendentalenInteressefürdieMenschheitnurdiegeringsteUnsicherheitverbleibensollte,mutetseltsaman.DochwelcherZweifelauchimmerbezüglichdesGeburtsdatums desSohnesGottesbestehensollte,soliefertdieHeiligeSchriftdochallenurwünschbarenAngabenzumZeitpunktdesBeginnsSeinesöffentlichenDienstesaufErden.In dergesamtenBibelfindenwirkeinegenauerdefiniertechronologischeAussagealsjene indenEingangsversenvonLk3:«AberimfünfzehntenJahrderRegierungdesKaisers Tiberius,alsPontiusPilatusStatthaltervonJudäawarundHerodesVierfürstvonGaliläa,seinBruderPhilippusaberVierfürstvonIturäaundderLandschaftTrachonitis, undLysaniasVierfürstvonAbilene,unterdemHohenpriestertumvonAnnasundKajaphas,ergingdasWortGottesanJohannes,denSohndesZacharias,inderWüste». DasDatumderHerrschaftvonKaiserTiberiusistmitabsoluterExaktheitbekannt;sein fünfzehntesJahrhatam19.August28n.Chr.begonnen.Weiteristbekannt,dassin jenemJahrjedederinderPassagegenanntePersontatsächlichjenePositioninnehatte,dieihrinLk3zugewiesenwird.Manwürdemeinen,dassesdiesbezüglichkeine SchwierigkeitenoderFragengebenkönne.AberderEvangelistLukasfährtfort,über denBeginndesDienstesdesHerrnJesuszusprechen,undererwähnt,dassEr«ungefähr dreissigJahrealt»(Lk3,23)gewesensei,alsErdamitbegonnenhabe.DieseAussage hatinVerbindungmitdemgemeinhinangenommenenDatumderGeburtChristidazu geführt,dassmandas«fünfzehnteJahrvonTiberius»alseinenVerweisnichtinBezug aufseineRegierungszeit,sondernaufeinfrüheresDatumverstandenhat,zumalesin derGeschichteheisst,dassihmschonindenletztenzweiJahrenvonAugustusgewisse Gewalt übertragen worden war. Solchen Hypothesen steht aber ein überwältigender Einwandentgegen,nämlichdassdieHerrschaftvonTiberiusmitBeginnam19.August 14n.Chr.einallseitsbekanntesDatuminderZeitvonLukaswar,sowiemanheute ganzgenauweiss,wanndieHerrschaftvonQueenVictoriabegonnenhat;manfindet inderGeschichtekeineneinzigenFallundmanwirdauchkeinensolchenfinden,wo dieJahrederHerrschaftvonTiberiusineineranderenWeisegezähltwürden4. 4ThomasLewin,FastiSacri,1865,S.liii.DieTheorieeinerCo-HerrschaftvonTiberius,diemitausgeklügeltenArgumentenuntermauertwordenist,istfürjeneAutorenvonessentiellerBedeutung,diedie Ansichtvertreten,dieKreuzigungmüsseimJahr29oder30n.Chr.stattgefundenhaben.EinAutor hatdieSchwierigkeitbeseitigt,indemerdasinLk3,1genannteDatumnichtalsdenZeitpunktdes BeginnsdesDienstesvonJohannesdemTäufer,sondernalsdenZeitpunktvonChristiTodinterpretierthat,nachdemernirgendwoindenGeschichtsbüchern,aufMonumentenoderaufMünzeneinen Hinweisdaraufgefundenhatte,dassmandieJahreder«Co-Herrschaft»einesHerrschersmitgezählt hätte.Brownehat daraufhingewiesen,dass dieoben genannteHypotheseeiner «Co-Herrschaft»als TeilderRegierungsjahrevonTiberiuseinerkritischenWürdigungnichtstandhalte.Esseinämlichäusserst unwahrscheinlich, dass Lukas, der spezifisch für einen römischen Offizier und generell für die Heiden geschrieben habe, sich so ausgedrückt hätte, dass man ihn mit Sicherheit falsch verstanden hätte.AuchwenndieAussagedesEvangelistenLukasimWiderspruchzuseineneigenenSchlussfolge
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TatsächlichbestehtgarkeinWiderspruchzwischenderAussageinLk3,1unddem GeburtsdatumChristi(wieesvonLukasselbstdatiertwurde:unterQuirinius,imHerbst desJahres4v.Chr.),dennderaufdasJahr28n.Chr.fallendeBeginndesDienstesdes HerrnkönnteaufeineZeitfallen,bevorErSein31.Altersjahrvollendethatte.SicherlichhatSeinDienst abernichtspäter alseinigeMonatenach Seinem31.Geburtstag begonnen.DerAusdruck«ungefähr dreissigJahre»lässteinensolchenSpielraumzu5. Folglichistesvölligunnötig,einegekünstelteBedeutungindieWortedesEvangelisten hineinzuinterpretieren.MitdemfünfzehntenJahrdesKaisersTiberiusmusseralso gemeinthaben,wasdieganzeWeltannehmenwürde,nämlichdasJahr,dasam19.August28n.Chr.begonnenhat.DamitkönnenwirdenBereichderArgumentationenund Kontroversenverlassen,umendlichaneinemgutgesichertenDatumvonelementarer BedeutungfürdieseForschungsarbeitanzukommen. DaserstePassahwährenddesöffentlichenDienstesdesHerrnwirdalsovonderErzählungimLukas-EvangeliumselbstaufdenNisanimJahr29n.Chr.fixiert.Daserlaubt esuns,dasJahr32n.Chr.alsdasJahrderKreuzigungzubenennen6.DasstehtzweifellosimWiderspruchzudenTraditionen,dieindengefälschtenActaPilativerbrieftsind, aufdiemansichindieserKontroversesooftberuft,undauchzudenSchrifteneinzelner Kirchenväter,diedasfünfzehnteJahrvonTiberiusalsdasJahrvonChristiTodnannten–einige,weilsiedasDatumderTaufemitdemDatumderPassionverwechselten, andere,weilsieannehmen,dassbeidesineinunddemselbenJahrgeschehensei,und wiederandere,weilsievonihrenVorläufernabschrieben,ohnedasGeschriebenezu überprüfen7. MankönnteaufeinebeeindruckendeListevonNamenverweisen,umzubelegen,dass dieKreuzigunginnerhalbderJahre29–32n.Chr.stattgefundenhabenmuss.Abereine solcheArgumentationkannnurüberzeugen,solangeeskeinebesserenArgumentegibt. MankönntebeispielsweiseeineanscheinendperfekteKettevonunzähligenIndizienberungenbezüglichdesDatumsderPassionstehe,seierdazuverpflichtet,siealsrichtigzuakzeptieren (Browne,a.a.O.,§71). 5WieHenryAlfordesformuliert:«DiesesωσειετωντριακονταlässteinenbeachtenswertenAuslegungsspielraumzu,abernurineineRichtung,nämlichmehralsdreissigJahrealt.»(HenryAlford,TheGreek Testament,1863,AnmerkungzuLk3,23) 6«Esscheintmirabsolutsicher,dassderDienstunseresHerrnetwasmehralsdreiJahregedauerthat» (Pusey,a.a.O.,S.174f.)DieseAnsichtwirdmittlerweilesoeinstimmiggeteilt,dassesnichtlänger nötigist,dieGrundlagendarzustellen,aufdersieberuht.NeuereAutorennehmengenerellohnejeden Beweisan,dasssichderDienstdesHerrnübervierPassahfeiernerstreckthabe.Diebefriedigendste DiskussionderFrage,dieichkenne,findetsichbeiHengstenberg.JohanneserwähntdreiPassahfeiern ausdrücklich,andenenderHerranwesendwar.WenndasinJoh5,1erwähnteFestebenfallseinPassahgewesenist,istdieFragebereitsdefinitivbeantwortet.Mittlerweileistgenerellanerkannt,dass esentwederdasPurim-oderdasPassahfestgewesenseinmuss.HengstenbergsBeweisefürletzteres sind überwältigend. Das Purimfest beruhte nicht auf einer göttlichen Anordnung. Es war durch ein DekretvonEsther,derKöniginvonPersien,im13.JahrvonXerxes(473v.Chr.)eingeführtworden. EshandeltesicheherumeinsozialesundpolitischesalsumeinreligiösesFest,beidemderDienst inderSynagogeeherzweitrangigwar.DerTagwargenerellvonexzessivemEssenundTrinkengekennzeichnet.Esistzweifelhaft,dassderHerrüberhauptansoeinemFestteilgenommenhat.Völlig unwahrscheinlichistesdagegen,dassErimGegensatzzuSeinerüblichenWeiseextranachJerusalem gegangenseinsollte,umzufeiern. 7Clinton,FastiRomani,S.12f.
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Montag, 9. September 2019, 08:50

weisenproblemlosmitderAussageeineseinzigenZeugenmiteinemgutenLeumund undeineranerkanntenWahrheitsliebesprengenoderdiefürdieEinführungeinesneuenGesetzesvereinteStimmedeshalbenLandesmiteinemeinzigenBlattPapierzum Verstummen bringen, das dieses Vorhaben als verfassungsmässig unhaltbar entlarvt. Selbst wenn die Traditionen der christlichen Kirche nicht widersprüchlich und vage, sondernübereinstimmendundeindeutigwären,könntensiekeinenBestandgegendie obenangeführtenBeweisehaben. EinPunktverlangtallerdingsnochunsereAufmerksamkeit.Viele–teilsbedeutende– AutorenhabenzudieserFrageangeführt,dassmannureinJahrinnerhalbeinergewissenZeitspannefindenmüsste,indemderPassah-MondaneinemFreitagvollgewesen sei,umdasJahrderKreuzigungzuermitteln.AberdaszeigtnureinenichtnachvollziehbareBlindheitgegenüberderKomplexitätdesProblems.Wennesgesichertwäre, dassdasSystem,nachdemsichdasjüdischeJahrheuterichtet,vorachtzehnJahrhunderten8 dasselbegewesenist,könntesichdieganzeKontroversezwartatsächlichauf dasDatumderPassahwocheineinembestimmtenJahrkonzentrieren.AberwirkennendasdamaligeSystemderSchalttage,SchaltmonateoderSchaltjahrenicht,weshalb wirnichtvoneinerentsprechendenAnnahmeausgehenkönnen9.Obwohldasjüdische JahrdasaltelunisolareJahrmit360Tagengewesenwar,istesnichtunwahrscheinlich, dassdieJudensichnacheinerjahrhundertelangenBeeinflussungdurchÄgyptenangewöhnthaben,jährlichSchalttageeinzufügen,vondenenHerodotspricht10.Allerdings kann nicht angenommen werden, dass sie ihre Kalender weiterhin in einer so primitivenWeisekorrigierthaben,nachdemsiediegegenwärtigeFormderJahreszählung übernommenhatten.IhrGebrauchdesMeton-ZyklusfürdiesenZweckistvergleichsweisemodern11.WahrscheinlichhabensiezusammenmitdemlunarenJahrunterden 8AnmerkungdesÜbersetzes:vorneunzehnJahrhunderten. 9«DerMonatbegannmitdenMondphasen,undzwargemässNewton,wennderMond18Stundenaltwar. Der14.Nisanhättealsobeginnenkönnen,wennderMond13Tageund18Stundenaltwarundnoch einenTag,nullStundenund22Minutengebrauchthätte,umvollzuwerden(dasAlterdesVollmondes beträgt14Tage,18Stundenund22Minuten).ManchmalwurdendiePhasenaberverzögert,bisder MondeinenTagund17Stundenaltwar;undwennsichder1.Nisanentsprechendverschobenhätte, hätteder14.NisanersteineStundeund22MinutenvordemVollmondbegonnen.InderPraxishat mandenMonatabernichtderartexaktandenMondangepasst.DieJudenhabenwieandereVölker auch,diedasLunarjahrgekannthaben,dieLückendurcheinenSchaltmonatbehoben,deraberkeinen vollständiggenauenAusgleichgeschaffenhat.Wirwissennicht,wasihreMethodeinderZeitChrist gewesen ist» (Clinton, Fasti Romani, Band II, S. 240 f.) Das Jahr 30 n.Chr. ist das einzige Jahr in der Zeit von 28–33 n.Chr., in dem der Vollmond auf einen Freitag gefallen ist. Im Jahr 29 n.Chr. ist der Vollmond auf einen Samstag und der Neumond auf einen Montag gefallen (Anmerkung des Übersetzers:NichtnachvollziehbareReferenzimOriginal–«Wurm’sTable,inWiesler’sChron.Syn., Venables’strans.,p.407»). 10Herodot,a.a.O.,Buch2,§4. 11DieJudenhabendenMeton-Zyklusmitseinen19JahrenfürdieAnpassungdesKalendersetwaimJahr 360n.Chr.übernommen.DavorhattensieeinenZyklusvon84Jahrenverwendet,deroffensichtlich dem Kallippischen Zyklus von 76 Jahren entsprochen hat, den man um eine griechische Oktaeteris ergänzt hat. Gewisse Autoren vertreten die Ansicht, dass diese Methode zur Zeit unseres Herrn in Gebrauchgewesenist,aberdasistzweifelhaft.DieAussagescheintsichaufdasZeugnisvonspäteren Rabbinernzustützen.JuliusAfricanusdagegenhältinseinerChronographiefest,dassdieJudenalle achtJahredreiSchaltmonateeingefügthätten.
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SeleucidenauchdenaltenAchtjahreszyklusfürdieAnpassungenverwendet.DieTatsache,dassdieserZyklusauchnochunterdenerstenChristenfürdieBerechnungdes Passahgebrauchtwurde12,nährtdieVermutung,dasservondenJudenübernommen war,aberwirhabenkeinsicheresWissenüberdiesesThema. InTatundWahrheitistdaseinzigSichere,daswirdiesbezüglichwissen,dieTatsache, dass das Passah nicht auf jene Tage fiel, die von den Autoren genannt werden, die sichnuraufastronomischexakteBerechnungenstützen13,denndieMischnaliefertden deutlichstenBeweisdafür,dassderBeginndesMonatsjeweilsnichtdurchdenwahren Neumond,sonderndurchdieersteErscheinungdesNeumondesdefiniertwurde.Auch wennesimpalästinensischenKlimawohlnurseltenzuVerzögerungenkam,mitdenen in trüberen Gegend öfter gerechnet werden müsste, kam es zweifellos immer wieder malvor,dasswederdieSonnenochdieSternefürmehrereTagezusehenwaren14.Vor diesemHintergrundkönnteder15.NisanalsoinjedemJahraufeinenFreitaggefallen sein15. Beispielsweise fiel das Datum des wahren Neumondes, durch den das Passah bestimmtwurde,imJahr32n.Chr.aufdieNacht(22.57Uhr)des29.März.DasscheinbareDatumdes1.Nisanmussfolglichder31.Märzgewesensein.Eskönnteaberauch zueinerVerzögerungbiszum1.Aprilgekommensein.IndiesemFallwäreder15.Nisan auf den Dienstag, den 15. April gefallen. Der Kalender könnte aber auch durch Schalttagebeeinflusstgewesensein.GemässdemAchtjahreszykluswurdeimdritten, imsechstenundimachtenJahrjeeinSchaltmonateingefügt,wobeieinBlickaufdie KalenderderJahre22–45n.Chr.zeigt,dassdasJahr32n.Chr.dasdritteJahreines 12Browne,a.a.O.,§424. 13Vgl.z.B.Browne,a.a.O.,§64.Erräumtein,dassderPassahvollmondinjedemJahrzuirgendeinem ZeitpunktzwischendemSonnenunterganganeinemDonnerstagunddemSonnenunterganganeinem Freitaggelegenhabenkönnte,wobeiderTagzwischendiesenbeidenSonnenuntergängender15.Nisangewesenwäre.AufdieserGrundlagehälterdaranfest,dassdasJahr29n.Chr.daseinzigeinFrage kommendeJahrderKreuzigungseinkönne.WieseineeigeneTabelleaberzeigt,erfülltkeinesderin FragekommendenJahre(keinJahrzwischen28und33n.Chr.)diesesKriterium,dennderPassahvollmondimJahr29n.Chr.fielaufdenSamstag,den16.April,nichtaufdenFreitag,den18.März.Dieser AnsichtschliessensichauchFergusonundanderean.Manmussallerdingsberücksichtigen,dassdie MischnaerstkürzlichaufEnglischübersetztwordenist. 14Apg27,20.DieAbhandlungzumRoschha-SchanainderMischnabeschäftigtsichmitdemModus,mit demmanindenTagendeszweitenTempelsdasFestdesNeumondesdatierthat.Manbenötigtedie AussagevonzweikompetentenZeugenvordemSanhedrin,siehättendenMondgesehen.DievielfältigenRegeln,diemanbezüglichderReiseundderPrüfungdieserZeugenfestgelegthat,beweisen,dass diesenichtseltenvonweithergekommensind.SowirdderFallgeregelt,dasssieeinenTagundeine Nachtunterwegsgewesensind(Kap.1,§9).DieProklamationdesSanhedrinkanndeshalbteilweise miteinerVerzögerungvoneinemodersogarzweiTagennachdemNeumonderfolgtsein;teilweise wurdederNeumondverzögert,bisderMondschoneinenTagund17Stundenaltwar(Clinton,Fasti Romani,Band2,S.240).Der1.NisankannalsoaufeinDatummehrereTagnachdemechtenNeumond gefallensein.Nochwahrscheinlicherist,dassdasDatumdurchOperationennochweiterverschoben wurde,wie sie im modernen jüdischen Kalender vorgenommenwerden, um zu vermeiden, dass gewisseFesteaufeinungeeignetesDatumfallen.AusderMischna(«Pesachim»)gehthervor,dassdie gegenwärtigenRegelnzudiesemZweckdamalsnochnichtinKraftstanden,abereskönnteähnliche Regelngegebenhaben,dieangewendetwurden. 15Vgl. Clinton, Fasti Romani, Band 2, S. 240 bezüglich der Unmöglichkeit zu bestimmen, in welchen JahrendasPassahaufeinenFreitaggefallenist.

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solchenZyklusgewesenist.DadieDifferenzzwischendemSolarjahrunddemLunarjahrelfTagebeträgt,müsstenindreiJahren33,75Tageeingefügtwerden,wobeidas EinfügeneinesdreizehntenMonats(Ve-adar)von30TagenimmernocheineLückevon 3,75Tagenzurücklassenwürde;würdeder«kirchlicheMond»sovielvordemwahren Neumondliegen,wäredasFestaufdenFreitag,den11.Aprilgefallen,genau,wiees dieErzählungindenEvangeliensagt16. DaswürdeaucheineSchwierigkeitbeseitigen,dieungeachtetallderPoesieverbleibt, diedenHainenundGrottenGethsemanesfrönt:JudasbenötigtewedereineKerzenoch eineLaterne,umseinenMeisterindendunkelstenSchattenundEckendesGartenszu finden,aberscheinbarstürztedieMengeerstherbei,umihrOpferzuergreifen,alser seineniedere,schuldbeladeneMissionerfüllthatte.EshättedochkeinenvomSanhedrinangestiftetenVerräterbenötigt,umdieHäscherumMitternachtzumObjektihres Hasseszuführen,wennsieesgewagthätten,Ihnoffenzuentführen17.JedeKerzeoder LampehättedasRisikodesAufweckensderschlafendenMillionenumsieherumerhöht, denninjenerNachtwarganzJudainderHauptstadtversammelt,umdasPassahfestzu feiern18.WennderVollmondhochüberJerusalemgestandenhätte,wärekeinanderes Lichtnötiggewesen,damitsieihrenschuldbeladenenAuftragraschhättenausführen können.WenndagegenderPassahmondanjenerNachtdesDonnerstagsnurzehnoder elfTagealtgewesenwäre,wäreergewisstiefamHorizontgestandenodergarschon untergegangengewesen,bevorsieaufgebrochensind.DieseAusführungensollennicht denBeweiserhärten,derbereitsfürdasTodesjahrChristigeliefertwordenist,sondern nurzeigen,wieeinfachesist,Einwändezuwiderlegen,dieaufdenerstenBlickfatal erscheinen.
16DasfolgendeistdasSchemaderOktaeteris:DasSolarjahrdauert365,25Tage;zwölfLunarmonatedauern354Tage.DieDifferenz,diemandieEpaktennennt,beträgt11,25Tage.DasistdieEpaktedes erstenJahres.DieEpaktedeszweitenJahresist22,5Tage,jenedesdrittenJahres33,75Tage.Diese 33,75TagemacheneinenLunarmonatvon30Tagenaus,derimdrittenLunarjahralseinSchaltmonat eingefügtwird;esverbleibteinRestvon3,75Tagen.DieEpaktedesviertenJahresbeträgtfolglich 11,25+3,75=15Tage,jenedesfünftenJahres26,25Tage,jenedessechstenJahres37,5Tage,was einezweiteEinfügungvon30Tagenerlaubt.EsverbleibteinRestvon7,5Tagen.DieEpaktedessiebtenJahresbeträgt18,75Tage,jenedesachtenJahresgenau30Tage,sodasseindritterSchaltmonat eingefügtwerdenkann,ohnedassnocheinRestverbleibt(Browne,a.a.O.,§424).DieTagedesPassahvollmondesindenJahren22–37n.Chr.fielenaufdiefolgendenDaten:5.April22n.Chr.,25.März 23n.Chr.,12.April24n.Chr.,1.April25n.Chr.,21.März26n.Chr.,9April27n.Chr.(Schaltjahr), 29.März28n.Chr.,17.April29n.Chr.(Schaltjahr),6.April30n.Chr.,27.März31n.Chr.,14.April 32n.Chr.(Schaltjahr),3.April33n.Chr.,23.März34n.Chr.,11.April35n.Chr.(Schaltjahr),30.März 36n.Chr.,18.April37n.Chr.(Schaltjahr). 17Lk22,2–6. 18Josephusbezeugt,dasseineunzählbareMengezumFestzusammengekommenist(AntiquitatesJudaicae,BuchXVII,Kap.9,§3),underschätzt,dassaneinemPassahvorderBelagerungJerusalemsbis zu2,7MilionenPersonendasPassah-Abendmahleingenommenhaben,nebstdenanwesendenFremdlingeninderStadt(Josephus,GeschichtedesjüdischenKrieges,BuchVI,Kap.9,§3).